Beispiel Trauerbegleitung mit Pferden

Beispiel Trauerbegleitung mit Pferden


Doppelter Verlust – Trauerbegleitung mit Pferd

„Franziska kam zu mir ins Trauercoaching, da sie kurz nacheinander ihre Tochter und ihren Bruder verloren hatte. Ihre Tochter hatte Selbstmord begangen und ihr Bruder war zwei Wochen später an einem Herzinfarkt verstorben, kurz nachdem er vom Tod seines Patenkindes erfahren hatte. Der Selbstmord der 27-jährigen Tochter kam nicht völlig unerwartet, sie war schon länger in therapeutischer Behandlung. Franziska kam zu uns an einem sonnigen Herbsttag. Wir saßen in der Reithalle auf Stühlen, die Ponys waren noch nicht da, und wir führten das Zielklärungsgespräch, denn auch in der Trauerbegleitung ist es wichtig, zu erfahren, wo die Trauernde sich im Prozess befindet, was ihr Wunsch ist und was im Trauercoaching behandelt werden soll. Ihr Wunsch war es, mehr zur Ruhe zu kommen: Franziska hatte Konzentrationsstörungen und Schlafprobleme, sie war in ihrer Firma schon kürzergetreten und fühlte sich trotzdem gehetzt. 

Wir holten die beiden Ponys und ließen sie in die Halle. Beide waren extrem unruhig und spiegelten Franziskas Emotion: Sie flitzten durch die Halle, obwohl sie das sonst nie taten, galoppierten mehrmals im Kreis und kabbelten sich dann. Ich bat sie, sich einen Stuhl zu nehmen, diesen in die Halle zu stellen, und zwar dort, wo sie ihre Ruhezone haben wollte, um dann zu versuchen, zur Ruhe zu kommen. Sie nahm ihren Stuhl, stellte ihn in eine Ecke der Halle, setzte sich und beobachtete die tobenden Ponys. Franziska saß auf der Kante des Stuhles. Nach und nach lehnte sie sich zurück, gleichzeitig wurden auch die Ponys ruhiger, bis sie sich schlussendlich gegenseitig friedlich kraulten. Dann kam das erste Pony an, Rocky, und beschnupperte sie. Franziska lehnte sich ganz zurück und entspannte sich. Auch das zweite Pony, Blacko, kam an und gesellte sich zum ersten. Beide waren neugierig und ließen sich streicheln. Nach langem Streicheln ergriff Rocky die Initiative und ging weg, zurück in die Mitte der Halle. Blacko folgte. 

Wir besprachen im Nachcoaching, wie es Franziska gelungen war, zur Ruhe zu kommen, was sie dafür gebraucht und was ihr gutgetan hatte. Sie sagte „den tobenden Pferden zuzusehen“ habe sie fasziniert, sie abgelenkt und gleichzeitig gutgetan. Sie könne sich vorstellen, durch unterhaltsame Ablenkung wie Theater oder Zoo wieder zu mehr Lebensfreude zurückzukehren, aber vor allem Ausflüge mit ihrem Hund taten ihr gut. Ich fragte noch, weshalb sie sich die Ecke als Ruhezone ausgesucht hatte und sie antwortete, die beiden Wände im Rücken waren Schutz für sie. Wie sie sich diesen Schutz im Alltag herstellen könnte, fragte ich noch, und sie sagte: ‚Ich werde das Gästezimmer zu meinem Rückzugsort machen, zu meiner Lese- und Ruhe Ecke, ich werde es mit einem schönen Sofa ausstatten und dort für mich sein können.‘ 

Wenn Kinder oder Partner Selbstmord begehen, machen sich Hinterblieben oft Vorwürfe, nichts gemerkt, nicht rechtzeitig gehandelt oder sogar Mitschuld am Selbstmord gehabt zu haben. Ich fragte Franziska daher vorsichtshalber, wie es ihr ergangen war, als die beiden Ponys sie verlassen und zurück in die Mitte der Halle gegangen waren und sie sagte: „Gut, sie sind ja frei in dem, was sie tun“. Ich fragte sie, ob sie Parallelen zwischen der Übung, als die Ponys sie verließen, und ihrer Situation ziehen könnte, und sie schlussfolgerte: „Meine Tochter war 27 und Erwachsen, im Grunde war es ihre freie Entscheidung. Ich hätte da gar nichts tun können. Ich habe schon so viel probiert, es war ihr Weg. Und so bitter es klingt, ein Gutes hat es: Ich muss mir keine Sorgen mehr machen. Ich habe mir über 20 Jahre jede Nacht und jeden Tag Sorgen gemacht. Unter diesem Aspekt habe ich jetzt auf jeden Fall Ruhe“.

Zwei Wochen später sagte Franziska, sie hätte durch die pferdegestützte Trauerbegleitung auf jeden Fall etwas mehr Ruhe, sowohl körperlich, aber auch im Herzen, da ihre Schuldgefühle kleiner geworden sind. Und sie müsse immer an die beiden Flitze-Ponys denken, mit wieviel Kraft und Energie sie durch die Halle rasten, das bringe sie zum Lachen.“


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